Erinnern ohne Zeitzeug*innen

Montag, 30.10.2017

19.30 Uhr – Aquarium – Skalitzer Str. 6, Berlin-Kreuzberg

Erinnern ohne Zeitzeug*innen

Mehr als ein halbes Jahrhundert liegen die nationalsozialistischen
Verbrechen zurück. Die überlebenden Verfolgten und Opfer sind
unterschiedlich mit ihren Erlebnissen umgegangen: Unter ihnen befinden
sich solche, die jahrzehntelang für Gedenken und Anerkennung kämpften,
sich politisch organisierten oder für Zeitzeug*innen-Gespräche zur
Verfügung stehen; es gibt jene, die keinen Fuß mehr nach Deutschland
setzten, sich das Leben nahmen oder über das erlittene Leid stets
schwiegen; wieder andere veröffentlichten wissenschaftliche Analysen zum
NS-Staat oder persönliche Erfahrungsberichte. Alle überlebenden
Verfolgten und Opfer wurden nie angemessen finanziell entschädigt und
die öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Anliegen war in Deutschland
lange Zeit gering bzw. ist es mitunter bis heute noch. Mit dieser
Situation sind verschiedene Überlegungen verbunden: Wer gilt als
„Zeitzeug*in“ und welche Erwartungen sind an diese Personen gerichtet?
Was bedeutet es, dass die überlebenden Verfolgten und Opfer der
nationalsozialistischen Verbrechen zunehmend altersbedingt sterben und
beispielsweise nicht mehr als Gesprächspartner*innen oder politisch
Handelnde agieren können? Wie können Bildung und Gedenken perspektivisch ohne sie gestaltet werden? Bei der Veranstaltung wird Sarah Kleinmann diesen Fragen nachgehen.

Eine Veranstaltung von *andere zustände ermöglichen im Rahmen der
Gedenk-Demo zum 9. November in Moabit.